Station 3: Das Haus Mehl / Richter / Jakob / Kleßen

Wittbr. Zum Radeländer 1, Haus von Katrin Jakob und Fabian Kleßen

Dorfbrände und weiterer Ausbau des Dorfes

1881, 1883 und 1895 fanden die letzten größeren Dorfbrände in Wittbrietzen statt, bei denen jeweils 10 – 15 Gehöfte mehr oder weniger in Schutt und Asche gelegt wurden. Fast alle betroffenen Gebäude bestanden noch aus Fachwerk und waren mit Stroh bedeckt. Diese Brände und ein anhaltendes Bevölkerungswachstum bewirkten sowohl einen Neuaufbau aus Ziegelsteinen als auch eine Vergrößerung des Dorfes mit der Erschließung von neuen Wohnplätzen. Dies geschah insbesondere auf dem Kietz, in der Neubauernstraße und in Richtung Radeländer. Das äußere Antlitz von Wittbrietzen veränderte sich in den Jahrzehnten bis zum 1. Weltkrieg äußerst massiv.

Ein typisches Beispiel für diesen Vorgang war der Büdner und Maurer Gustav Mehl, ein Stiefsohn des Gastwirts Carl Neie. Im März 1883 heiratete dieser Caroline Wilhelmine Jost, Tochter des Büdners Ferdinand Jost in unmittelbarer Nachbarschaft der Gaststätte (das Haus stand im Garten des heutigen Rosenwegs 14). Doch nur wenige Monate später, am 13. September 1883, wurden mit dem Haus seiner Schwiegereltern weitere 10 Gehöfte im Bereich Rosenstraße und angrenzender Buchholzer Straße ein Raub der Flammen. Mit Streichhölzern spielende Kinder hatten diesen Brand verursacht.

Haus Mehl / Richter / Jakob / Kleßen bis etwa 1970

Das Haus bis etwa 1970

Das junge Paar baute sich daraufhin 1884 am heutigen Standort ein neues Wohnhaus mit Scheune und Stallungen auf. Zwei Kinder entsprangen dieser Ehe, Alwine (1884) und Herrmann (1888). Als sogenannte Büdner (Kleinbauern) besaß die junge Familie nur wenig Land. Dennoch war die kleine Landwirtschaft zur Selbstversorgung unerlässlich, ein handwerklicher Nebenberuf ebenso. Nach dem Tod von Gustav Mehl (1904) bewirtschafteten dessen Witwe und ihr noch lediger Sohn Herrmann Mehl über viele Jahre den Hof. Mit 35 Jahren heiratete Herrmann im Inflationsjahr 1923 Pauline Maria Heinrich aus Nichel. Im Folgejahr wurde die Remise an die Scheune angebaut sowie mit dem Bau eines Torhauses der Hof als geschlossener Vierseithof vollendet

Die Ehe von Herrmann und Marie blieb kinderlos. So war es die Gunst einer an sich traurigen Fluchtgeschichte, dass es nach dem Zweiten Weltkrieg den noch jugendlichen Flüchtling Walter Richter nach Wittbrietzen verschlug. Dieser unterstützte über viele Jahre das alternde Ehepaar Mehl auf ihrer Wirtschaft. Walter Richter erlernte zudem den Beruf eines Schneiders. Später arbeitete er in der Gravur-Werkstatt Sturm in Elsholz. 1958 heiratete Walter Richter die aus Buchholz stammende Elfriede Rosin. Zu dieser Zeit zog das junge Paar mit in das Mehl’sche Haus. Dort wurden ihnen die Töchter Adelheid (1958) und Doris (1960) geschenkt.

Haus und Grundstück bis etwa 2017

Haus und Grundstück bis etwa bis etwa 1970

Im Zuge des sogenannten ‚Sozialistischen Frühlings‘ traten 1960 auch Walter und Elfriede Richter der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) bei, so wie alle ehemaligen Bauern und Büdner, die sich bis zu diesem Zeitpunkt noch vor diesem Schritt gesträubt hatten. Zwischen 1960 und 1970 wurden zwei zusätzliche Zimmer im Dachgeschoss ausgebaut. Mit dem Tod von Herrmann Mehl 1978 erbte Familie Richter das Grundstück und die dazugehörigen Ländereien. 1980 heiratete die jüngste Tochter Doris den aus Alt Bork stammenden Maurer Frank Jakob. Nach der Geburt ihrer drei Kinder (André 1980, +1981 / Katrin 1982 / Doreen 1985) und dem Zusammenleben von drei Generationen auf dem Hof wurde 1986/87 die ehemalige Tordurchfahrt zu einer zweiten Wohneinheit umgebaut.

Zwischen 2018 und 2021 wurde erneut umgebaut. Tochter Katrin mit Partner Fabian Kleßen errichteten für sich und ihre beiden Kinder Lena und Paul das jetzt bestehende neue Wohnhaus, in dem kurzzeitig vier Generationen ihr Zuhause fanden.

Das Wohnhaus seit 2021

Das Wohnhaus seit 2021

Die Gestaltung dieses Erinnerungsortes wurde maßgeblich initiiert und realisiert durch den in Wittbrietzen ansässigen Verein „Makom – Kunst & Schule e.V.“ gemeinsam mit dem Gemeindebeirat des Ortes. Gefördert wurde dieses Projekt zu 80% durch:

Land Brandenburg MWFK

Beim Aufbringen des 20%igen Eigenanteils halfen die Stadtwerke Beelitz, Vermessung Peick, die Ortsteilbürgermeisterin von Wittbrietzen (Simone Spahn) und andere private Spender.

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